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Wissenswertes · Kosten

Was kostet ein Mitarbeiter wirklich?

21 € Bruttolohn bedeuten für ein Bauunternehmen nicht 21 € Kosten pro Stunde.

Auf einer Rechnung sieht ein Kunde häufig einen Stundenverrechnungssatz, der deutlich über dem Bruttostundenlohn eines Mitarbeiters liegt. Die Differenz ist jedoch keineswegs automatisch der Gewinn des Unternehmens.

Lohnnebenkosten, SOKA-BAU, Urlaub, Krankheit, Arbeitskleidung, Schulungen, Fahrzeuge, Kraftstoff und nicht abrechenbare Zeiten müssen ebenfalls finanziert werden. Wir zeigen anhand einer vereinfachten Beispielrechnung, wie wir solche Kosten aus Unternehmersicht betrachten.

21,00 €/h
Bruttolohn Facharbeiter
ca. 45 €/h
Kalk. Kosten Facharbeiter
ca. 75 €/h
Kalk. Kosten 2-Mann-Team

Beispielwerte auf Basis der nachfolgend dargestellten Annahmen.

Die nachfolgende Berechnung ist eine vereinfachte Beispielkalkulation aus unserer betrieblichen Sicht. Tatsächliche Kosten unterscheiden sich je nach Mitarbeiter, Tätigkeit, Auslastung, gesetzlichen Abgaben, Versicherungen und Einsatzbedingungen.

0121 € Lohn sind nicht 21 € Kosten

Vom Bruttolohn zu den tatsächlichen Personalkosten

Unser Beispiel-Facharbeiter bzw. Baugeräteführer erhält 21 € brutto pro Stunde. Bei einer vereinfachten Berechnung mit 40 Stunden pro Woche und 52 Wochen ergeben sich 2.080 bezahlte Stunden pro Jahr. 21 € × 2.080 Stunden = 43.680 € Bruttolohn pro Jahr. Darauf kommen weitere Arbeitgeberkosten.

Bruttolohn43.680 €
Arbeitgeberanteile Sozialversicherung, kalk. ca. 22 %ca. 9.610 €
SOKA-BAU, kalk. Beispielansatz 18,9 %ca. 8.256 €
Arbeitsschuheca. 80 €
Arbeitshosenca. 70 €
Warnschutzkleidungca. 250 €
Schulungen / Weiterbildungenca. 600 €
Arbeitsmedizin / Vorsorgeca. 200 €
Zwischensumme ohne Fahrzeugca. 62.700 € / Jahr

Bereits bevor ein Firmenfahrzeug fährt oder ein Kilometer zur Baustelle zurückgelegt wird, liegen die jährlichen Kosten in dieser vereinfachten Beispielrechnung deutlich über dem reinen Bruttolohn.

02Nicht jede bezahlte Stunde ist verkaufbar

2.080 bezahlte Stunden bedeuten nicht 2.080 abrechenbare Stunden

Ein entscheidender Faktor in der Baukalkulation ist die produktive Auslastung. Ein Mitarbeiter erhält seinen Lohn auch für Zeiten, die einem Kunden nicht unmittelbar als produktive Baustellenstunde berechnet werden können.

260
Arbeitstage / Jahr
−55
Urlaub, Krankheit, Sonstiges
205
potenziell produktive Tage

Beispiel: 260 Arbeitstage abzüglich 30 Tage Urlaub, 5 Tage Krankheit und 20 Tagen für Auftragslücken, Rüstzeiten, Werkstatt, Wartung und andere nicht direkt abrechenbare Tätigkeiten = 205 potenziell produktive Arbeitstage. 205 × 8 Stunden = 1.640 potenziell abrechenbare Stunden pro Jahr.

1.640 h
statt theoretisch 2.080 h

Die Jahreskosten des Mitarbeiters müssen deshalb auf wesentlich weniger verkaufbare Stunden verteilt werden.

03Der Transporter

Auch das Fahrzeug muss finanziert werden

Ein Mitarbeiter auf wechselnden Baustellen benötigt in vielen Fällen ein Firmenfahrzeug. Auch ein Transporter verursacht Kosten, selbst wenn er gerade nicht auf einer abrechenbaren Baustelle steht. Für unsere Beispielrechnung setzen wir kalkulatorisch 40 € pro Werktag an.

Kalkulatorischer Ansatz
40 € / Werktag
Berechnung
260 × 40 €
= 10.400 € / Jahr

Dieser Betrag berücksichtigt aus unserer Sicht beispielsweise:

Anschaffung / FinanzierungWertverlustVersicherungKfz-SteuerWartungReparaturenReifenVerschleißsonstige laufende Fahrzeugkosten

Hinweis: Eine mögliche private Nutzung eines Firmenfahrzeugs und deren steuerliche Behandlung ist gesondert zu betrachten.

04Kraftstoff

Auch die tägliche Anfahrt kostet Geld

Beispielannahme: 20 km zur Baustelle + 20 km zurück = 40 km pro Arbeitstag.

40 km
pro Arbeitstag
8,6 l
Verbrauch / 100 km
2,20 €
Diesel / l brutto
3,44 l
Verbrauch / Tag

Kraftstoffkosten brutto: ca. 7,57 € pro Baustellentag. Bei Vorsteuerabzugsberechtigung entspricht dies kalkulatorisch rund 6,36 € netto pro Baustellentag. Bei 205 angenommenen Baustellentagen: ca. 1.300 € netto Kraftstoffkosten pro Jahr.

ca. 1.300 €
netto Kraftstoffkosten / Jahr

Dies ist lediglich ein Rechenbeispiel. Tatsächliche Fahrstrecken, Kraftstoffpreise und Verbräuche variieren.

05Facharbeiter Gesamtkosten

Was kostet unser Beispiel-Facharbeiter damit tatsächlich?

Bruttolohn43.680 €
Arbeitgeberanteileca. 9.610 €
SOKA-BAUca. 8.256 €
PSA / Arbeitskleidungca. 400 €
Schulungenca. 600 €
Arbeitsmedizin / Vorsorgeca. 200 €
Transporterca. 10.400 €
Kraftstoffca. 1.300 €
Gesamtca. 74.450 € / Jahr

Bei 1.640 produktiven Stunden:

ca. 45,40 €
pro produktiver Stunde

Das ist in diesem Beispiel noch nicht der Verkaufspreis und auch nicht der Gewinn des Unternehmens.

06Bauhelfer

Wie sieht die Rechnung bei einem Bauhelfer aus?

Beispiel: 16 € brutto pro Stunde, 40 Stunden pro Woche, 2.080 bezahlte Stunden jährlich.

Bruttolohn33.280 €
Arbeitgeberanteile, kalk. ca. 22 %ca. 7.322 €
SOKA-BAU, Beispielansatz 18,9 %ca. 6.290 €
Arbeitsschuhe80 €
Arbeitshosen70 €
Warnschutzkleidung250 €
Schulungen600 €
Arbeitsmedizin / Vorsorge200 €
Gesamt (kein eigener Transporter)ca. 48.100 € / Jahr

Bei 1.640 produktiven Stunden: ca. 29,30 € pro produktiver Stunde.

16 € → ca. 29 €
Bruttolohn → kalkulatorische Kosten
07Das 2-Mann-Team

Was kostet ein Team aus Facharbeiter und Bauhelfer?

Facharbeiter / Baugeräteführer
21 €/h Bruttolohn
ca. 74.450 € Jahreskosten
ca. 45,40 € / produktiver Stunde
Bauhelfer
16 €/h Bruttolohn
ca. 48.100 € Jahreskosten
ca. 29,30 € / produktiver Stunde
Team gesamt
ca. 122.550 €
Jahreskosten
ca. 74,70 € / Teamstunde
ca. 75 €
pro Teamstunde (gerundet)
ca. 600 €
pro 8-Stunden-Tag (gerundet)

Diese Werte stellen kalkulatorische Kosten dar und nicht automatisch den Verkaufspreis gegenüber dem Kunden.

08Was passiert bei schlechter Auslastung?

Der Faktor, den man auf einer Rechnung nicht sieht: Auslastung

Unsere bisherige Beispielrechnung geht von 1.640 produktiven Stunden pro Jahr aus. Aber was passiert, wenn diese Stunden nicht erreicht werden? Gerade im Erd-, Tief-, Abbruch- sowie Garten- und Landschaftsbau können zahlreiche Faktoren die Produktivität beeinflussen.

FrostSchneeStarkregenaufgeweichte BödenBaustoppsVerzögerungen anderer Gewerkefehlende FreigabenMaschinenausfälleReparaturenKrankheitlängere KrankheitszeitenAuftragsverschiebungenAuftragslückenRüstzeitenWerkstattzeitenWartung

Die Mitarbeiter- und Betriebskosten verschwinden dadurch nicht automatisch.

09Winterbeispiel

Was passiert, wenn der Winter drei Monate Baustellen verhindert?

Januar, Februar und März können je nach Tätigkeit, Baustelle und Wetterlage deutlich schwächer ausfallen. Nicht jede Bauleistung lässt sich bei Frost, Schnee, starkem Niederschlag oder ungeeigneten Bodenverhältnissen sinnvoll durchführen. Deshalb muss ein Unternehmen wirtschaftlich über das gesamte Jahr denken. Ein guter Sommer muss gegebenenfalls schwächere Wintermonate mittragen.

„Ein Stundenpreis muss nicht nur an einem guten Sommertag funktionieren. Er muss im Idealfall das gesamte Geschäftsjahr tragen.“

10Auslastungsszenarien

Warum weniger produktive Stunden die Kosten erhöhen

Grundlage: ca. 122.550 € kalkulatorische Jahreskosten für das Beispielteam.

1.640 abrechenbare Stunden≈ 74,70 € / Teamstunde
1.450 abrechenbare Stunden≈ 84,50 € / Teamstunde
1.250 abrechenbare Stunden≈ 98,00 € / Teamstunde
1.100 abrechenbare Stunden≈ 111,40 € / Teamstunde

Die Jahreskosten verändern sich nicht im gleichen Verhältnis wie die produktiven Stunden. Je weniger abrechenbare Stunden tatsächlich erreicht werden, desto höher müssen die produktiven Stunden kalkulatorisch belastet werden.

11Krankheit

Und wenn ein Mitarbeiter länger ausfällt?

Auch Krankheit gehört zum normalen Unternehmerrisiko. Kurzfristige und längerfristige Ausfälle können dazu führen, dass geplante Leistungen nicht wie vorgesehen erbracht oder Umsätze nicht erzielt werden können.

Je nach Beschäftigungsverhältnis, Unternehmensgröße und konkretem Fall können gesetzliche Regelungen, Umlageverfahren und Erstattungen einen Teil bestimmter Arbeitgeberaufwendungen abfedern. Für eine verständliche Beispielkalkulation berücksichtigen wir deshalb einen gewissen Ausfallpuffer, ohne zu unterstellen, dass jede längere Erkrankung vollständig und dauerhaft vom Unternehmen getragen werden muss.

Entscheidend bleibt: Fehlt eine produktive Arbeitskraft, können gleichzeitig Umsätze ausfallen und organisatorische Mehrkosten entstehen.

12Der Verrechnungssatz ist nicht der Gewinn

60 € berechnet bedeutet nicht 39 € Gewinn

Ein besonders häufiges Missverständnis besteht darin, den Bruttostundenlohn direkt vom Kundenpreis abzuziehen. Ein Mitarbeiter verdient 21 € brutto. Das Unternehmen berechnet beispielsweise einen deutlich höheren Stundenverrechnungssatz. Die Differenz ist nicht automatisch Unternehmensgewinn.

Aus dem Verrechnungssatz müssen – je nach Betrieb und Auftrag – unter anderem finanziert werden:

BruttolohnArbeitgeberanteileSOKA-BAUUrlaubKrankheitAusfallzeitenPSAArbeitskleidungSchulungenArbeitsmedizinFahrzeugeKraftstoffVersicherungenBerufsgenossenschaftWerkzeugeWartungReparaturenBüroVerwaltungLohnabrechnungSteuerberatungIT und KommunikationAngebotserstellungBaustellenvorbereitungGewährleistungsrisikenForderungsausfälleAuftragslückenWinterrisikoallgemeines Unternehmerrisiko

Erst nachdem die tatsächlich anfallenden Kosten gedeckt sind, kann ein Unternehmensgewinn verbleiben.

13Warum muss ein Unternehmen Gewinn machen?

Gewinn ist kein Aufschlag ohne Gegenleistung

Ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen benötigt einen Gewinn. Nicht nur für den Unternehmer selbst, sondern beispielsweise für:

Investitionen in neue Maschinen und Fahrzeuge
Eigenkapital
Liquiditätsreserven
unvorhergesehene Reparaturen
Ersatzbeschaffungen
Vorfinanzierung von Baustellen
Wachstum
Modernisierung
schwache Monate
Forderungsausfälle
zukünftige Arbeitsplätze

Ein Auftrag, der lediglich seine unmittelbar sichtbaren Kosten deckt, kann deshalb langfristig trotzdem unwirtschaftlich sein.

Faire Preise funktionieren in beide Richtungen.

Wir verstehen, dass Auftraggeber Preise vergleichen und wirtschaftlich denken müssen. Genau dasselbe gilt für uns als ausführendes Unternehmen.

Unser Ziel ist deshalb nicht, Leistungen künstlich teuer zu machen, sondern Aufträge so zu kalkulieren, dass Mitarbeiter vernünftig beschäftigt, Fahrzeuge und Maschinen zuverlässig unterhalten und Projekte fachgerecht ausgeführt werden können.

Ein nachhaltiger Preis muss mehr berücksichtigen als die acht sichtbaren Arbeitsstunden auf der Baustelle. Er muss auch Urlaub, Ausfälle, Fahrzeuge, Organisation, Winter, Wartung und das unternehmerische Risiko berücksichtigen. Deshalb kalkulieren wir unsere Leistungen nachvollziehbar und mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr.

„Gute Arbeit braucht nicht nur gute Mitarbeiter – sondern auch eine Kalkulation, mit der gute Arbeit dauerhaft möglich bleibt.“

Interaktiv

Selbst nachrechnen

Verändern Sie die Annahmen und sehen Sie sofort, wie sich die Kosten je produktiver Stunde verändern.

Bruttolohn / Jahr
43.680 €
Arbeitgeberkosten
17.865 €
Produktive Stunden
1.640 h
Personalkosten / Jahr
62.745 €
Fahrzeugkosten / Jahr
10.400 €
Kraftstoff / Jahr
1.304 €
Gesamtkosten / Jahr
74.449 €
Kosten / produktive Stunde
45,40 €

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