
Was kostet ein Mitarbeiter wirklich?
21 € Bruttolohn bedeuten für ein Bauunternehmen nicht 21 € Kosten pro Stunde.
Auf einer Rechnung sieht ein Kunde häufig einen Stundenverrechnungssatz, der deutlich über dem Bruttostundenlohn eines Mitarbeiters liegt. Die Differenz ist jedoch keineswegs automatisch der Gewinn des Unternehmens.
Lohnnebenkosten, SOKA-BAU, Urlaub, Krankheit, Arbeitskleidung, Schulungen, Fahrzeuge, Kraftstoff und nicht abrechenbare Zeiten müssen ebenfalls finanziert werden. Wir zeigen anhand einer vereinfachten Beispielrechnung, wie wir solche Kosten aus Unternehmersicht betrachten.
Beispielwerte auf Basis der nachfolgend dargestellten Annahmen.
Die nachfolgende Berechnung ist eine vereinfachte Beispielkalkulation aus unserer betrieblichen Sicht. Tatsächliche Kosten unterscheiden sich je nach Mitarbeiter, Tätigkeit, Auslastung, gesetzlichen Abgaben, Versicherungen und Einsatzbedingungen.
Vom Bruttolohn zu den tatsächlichen Personalkosten
Unser Beispiel-Facharbeiter bzw. Baugeräteführer erhält 21 € brutto pro Stunde. Bei einer vereinfachten Berechnung mit 40 Stunden pro Woche und 52 Wochen ergeben sich 2.080 bezahlte Stunden pro Jahr. 21 € × 2.080 Stunden = 43.680 € Bruttolohn pro Jahr. Darauf kommen weitere Arbeitgeberkosten.
Bereits bevor ein Firmenfahrzeug fährt oder ein Kilometer zur Baustelle zurückgelegt wird, liegen die jährlichen Kosten in dieser vereinfachten Beispielrechnung deutlich über dem reinen Bruttolohn.
2.080 bezahlte Stunden bedeuten nicht 2.080 abrechenbare Stunden
Ein entscheidender Faktor in der Baukalkulation ist die produktive Auslastung. Ein Mitarbeiter erhält seinen Lohn auch für Zeiten, die einem Kunden nicht unmittelbar als produktive Baustellenstunde berechnet werden können.
Beispiel: 260 Arbeitstage abzüglich 30 Tage Urlaub, 5 Tage Krankheit und 20 Tagen für Auftragslücken, Rüstzeiten, Werkstatt, Wartung und andere nicht direkt abrechenbare Tätigkeiten = 205 potenziell produktive Arbeitstage. 205 × 8 Stunden = 1.640 potenziell abrechenbare Stunden pro Jahr.
Die Jahreskosten des Mitarbeiters müssen deshalb auf wesentlich weniger verkaufbare Stunden verteilt werden.
Auch das Fahrzeug muss finanziert werden
Ein Mitarbeiter auf wechselnden Baustellen benötigt in vielen Fällen ein Firmenfahrzeug. Auch ein Transporter verursacht Kosten, selbst wenn er gerade nicht auf einer abrechenbaren Baustelle steht. Für unsere Beispielrechnung setzen wir kalkulatorisch 40 € pro Werktag an.
Dieser Betrag berücksichtigt aus unserer Sicht beispielsweise:
Hinweis: Eine mögliche private Nutzung eines Firmenfahrzeugs und deren steuerliche Behandlung ist gesondert zu betrachten.
Auch die tägliche Anfahrt kostet Geld
Beispielannahme: 20 km zur Baustelle + 20 km zurück = 40 km pro Arbeitstag.
Kraftstoffkosten brutto: ca. 7,57 € pro Baustellentag. Bei Vorsteuerabzugsberechtigung entspricht dies kalkulatorisch rund 6,36 € netto pro Baustellentag. Bei 205 angenommenen Baustellentagen: ca. 1.300 € netto Kraftstoffkosten pro Jahr.
Dies ist lediglich ein Rechenbeispiel. Tatsächliche Fahrstrecken, Kraftstoffpreise und Verbräuche variieren.
Was kostet unser Beispiel-Facharbeiter damit tatsächlich?
Bei 1.640 produktiven Stunden:
Das ist in diesem Beispiel noch nicht der Verkaufspreis und auch nicht der Gewinn des Unternehmens.
Wie sieht die Rechnung bei einem Bauhelfer aus?
Beispiel: 16 € brutto pro Stunde, 40 Stunden pro Woche, 2.080 bezahlte Stunden jährlich.
Bei 1.640 produktiven Stunden: ca. 29,30 € pro produktiver Stunde.
Was kostet ein Team aus Facharbeiter und Bauhelfer?
Diese Werte stellen kalkulatorische Kosten dar und nicht automatisch den Verkaufspreis gegenüber dem Kunden.
Der Faktor, den man auf einer Rechnung nicht sieht: Auslastung
Unsere bisherige Beispielrechnung geht von 1.640 produktiven Stunden pro Jahr aus. Aber was passiert, wenn diese Stunden nicht erreicht werden? Gerade im Erd-, Tief-, Abbruch- sowie Garten- und Landschaftsbau können zahlreiche Faktoren die Produktivität beeinflussen.
Die Mitarbeiter- und Betriebskosten verschwinden dadurch nicht automatisch.
Was passiert, wenn der Winter drei Monate Baustellen verhindert?
Januar, Februar und März können je nach Tätigkeit, Baustelle und Wetterlage deutlich schwächer ausfallen. Nicht jede Bauleistung lässt sich bei Frost, Schnee, starkem Niederschlag oder ungeeigneten Bodenverhältnissen sinnvoll durchführen. Deshalb muss ein Unternehmen wirtschaftlich über das gesamte Jahr denken. Ein guter Sommer muss gegebenenfalls schwächere Wintermonate mittragen.
„Ein Stundenpreis muss nicht nur an einem guten Sommertag funktionieren. Er muss im Idealfall das gesamte Geschäftsjahr tragen.“
Warum weniger produktive Stunden die Kosten erhöhen
Grundlage: ca. 122.550 € kalkulatorische Jahreskosten für das Beispielteam.
Die Jahreskosten verändern sich nicht im gleichen Verhältnis wie die produktiven Stunden. Je weniger abrechenbare Stunden tatsächlich erreicht werden, desto höher müssen die produktiven Stunden kalkulatorisch belastet werden.
Und wenn ein Mitarbeiter länger ausfällt?
Auch Krankheit gehört zum normalen Unternehmerrisiko. Kurzfristige und längerfristige Ausfälle können dazu führen, dass geplante Leistungen nicht wie vorgesehen erbracht oder Umsätze nicht erzielt werden können.
Je nach Beschäftigungsverhältnis, Unternehmensgröße und konkretem Fall können gesetzliche Regelungen, Umlageverfahren und Erstattungen einen Teil bestimmter Arbeitgeberaufwendungen abfedern. Für eine verständliche Beispielkalkulation berücksichtigen wir deshalb einen gewissen Ausfallpuffer, ohne zu unterstellen, dass jede längere Erkrankung vollständig und dauerhaft vom Unternehmen getragen werden muss.
Entscheidend bleibt: Fehlt eine produktive Arbeitskraft, können gleichzeitig Umsätze ausfallen und organisatorische Mehrkosten entstehen.
60 € berechnet bedeutet nicht 39 € Gewinn
Ein besonders häufiges Missverständnis besteht darin, den Bruttostundenlohn direkt vom Kundenpreis abzuziehen. Ein Mitarbeiter verdient 21 € brutto. Das Unternehmen berechnet beispielsweise einen deutlich höheren Stundenverrechnungssatz. Die Differenz ist nicht automatisch Unternehmensgewinn.
Aus dem Verrechnungssatz müssen – je nach Betrieb und Auftrag – unter anderem finanziert werden:
Erst nachdem die tatsächlich anfallenden Kosten gedeckt sind, kann ein Unternehmensgewinn verbleiben.
Gewinn ist kein Aufschlag ohne Gegenleistung
Ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen benötigt einen Gewinn. Nicht nur für den Unternehmer selbst, sondern beispielsweise für:
Ein Auftrag, der lediglich seine unmittelbar sichtbaren Kosten deckt, kann deshalb langfristig trotzdem unwirtschaftlich sein.
Faire Preise funktionieren in beide Richtungen.
Wir verstehen, dass Auftraggeber Preise vergleichen und wirtschaftlich denken müssen. Genau dasselbe gilt für uns als ausführendes Unternehmen.
Unser Ziel ist deshalb nicht, Leistungen künstlich teuer zu machen, sondern Aufträge so zu kalkulieren, dass Mitarbeiter vernünftig beschäftigt, Fahrzeuge und Maschinen zuverlässig unterhalten und Projekte fachgerecht ausgeführt werden können.
Ein nachhaltiger Preis muss mehr berücksichtigen als die acht sichtbaren Arbeitsstunden auf der Baustelle. Er muss auch Urlaub, Ausfälle, Fahrzeuge, Organisation, Winter, Wartung und das unternehmerische Risiko berücksichtigen. Deshalb kalkulieren wir unsere Leistungen nachvollziehbar und mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr.
„Gute Arbeit braucht nicht nur gute Mitarbeiter – sondern auch eine Kalkulation, mit der gute Arbeit dauerhaft möglich bleibt.“
Selbst nachrechnen
Verändern Sie die Annahmen und sehen Sie sofort, wie sich die Kosten je produktiver Stunde verändern.
Der Rechner dient ausschließlich zur vereinfachten Veranschaulichung und ersetzt keine individuelle Lohn-, Steuer- oder Unternehmensberatung. Es werden keine Eingaben gespeichert.
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